10.06.2019

WHAT’S NEXT HEALTH – Digitalisierung, menschlich betrachtet

Das Ende des Stethoskops – Die Arztpraxis der Zukunft

Vermutlich gibt es eine Reihe gesundheitsbewusster Leser, die Mitglied in einem Fitness-Club sind. Nun stellen Sie Sie sich vor, Sie könnten auch Mitglied in einem Gesundheits-Club sein. Einem Club, der einzig dazu da ist, Ihre Gesundheit zu erhalten zu fördern. Den Sie aufsuchen können, wann immer Sie wollen und nicht nur wenn Sie Krankheitssymptome haben.

 

Das könnte folgendermaßen aussehen:

Sie machen einen Termin aus und in das Studio. Dort checken Sie mit einem iPad einfach am Eingang ein. Sie gehen danach nicht ins Wartezimmer, denn es gibt kein Wartezimmer, weil es keine Wartezeiten gibt. Nach dem Einchecken gehen Sie zum Body-Scanner. Dort werden zunächst einmal Ihre wichtigsten biometrischen Daten erfasst, ein EKG abgenommen und die Ergebnisse werden sofort, wie alle Ihre bisherigen Daten auf einer App gespeichert die Sie jederzeit abrufen können. Danach gehen Sie zur Blutabnahme und von da aus sofort in das Behandlungszimmer. Da wartet bereits Ihr Arzt, der fragt nicht, wie es Ihnen geht, sondern er sagt Ihnen, wie es Ihnen geht. Auf einem großen Bildschirm bespricht er mit Ihnen die Daten des Body-Scanners und der Blutuntersuchung. Er schaut mit Ihnen die Verläufe Ihrer Werte an. Sie bekommen einige Sensoren mit, die nun kontinuierlich kritische Werte bei Ihnen messen.

Ein Algorithmus speichert alle Daten in Ihrer persönlichen App. Sollten sich Abweichungen ergeben, erhält Ihr Arzt eine Mitteilung und Sie einen Termin für den nächsten Arztbesuch.

Das ist bei weitem keine Utopie sondern bereits Realität.

Adrian Aoun, ein ehemaliger Google Manager hat das Forward Institute in San Francisco gegründet. Die Mitgliedschaft kostet derzeit 149 Dollar pro Monat und dafür hat man auf alle Leistungen unbegrenzt Zugriff. Die Praxis ist so erfolgreich gestartet, dass es inzwischen 6 Filialen gibt. Aoun wollte damit zeigen, dass man die Arzt-Patienten-Beziehung komplett ändern kann. Hier geht es nicht mehr darum, dass man zum Arzt geht, wenn man Beschwerden hat oder bestenfalls einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung. Hier wird eine kontinuierliche Arzt-Patienten-Beziehung aufgebaut. Es geht darum, die Gesundheit zu erhalten und sie zu verbessern. Damit die Ärzte sich intensiv um die Patienten kümmern können, ist diese Praxis mit der modernsten Technik ausgestattet und es wurden einige Technologien speziell dafür entwickelt.

Ein KI-System überwacht alle Unterhaltungen, macht in Echtzeit Notizen und schlägt mögliche Behandlungspläne vor. Die Ärzte in der Klinik können auf digitale, drahtlose Stethoskope zurückgreifen, die den Herzschlag auch durch die Kleidung der Patienten erkennen können. Außerdem gibt es ein mobiles Infrarotlicht, das Venen für Blutentnahmen optisch darstellt.

Spricht man in Deutschland über Digitalisierung, dann werden relativ schnell Ängste von der Entmenschlichung der Medizin laut und man fragt sich, ob und wie der Arztberuf überleben kann.

Deshalb lautet meine heutige Whats Next Frage an alle Ärzte und Patienten:

Ist eine Arztpraxis nach dem Vorbild der Forward Clinic in Deutschland erstrebenswert?

Was spricht aus Ihrer Sicht dafür und dagegen?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung!

Herzlichst Ihr Gerd Wirtz

www.facebook.com/Dr.Gerd.Wirtz

www.gerdwirtz.de

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