Medizinische Apps – Fluch oder Segen

Medizinische Apps sind in aller Munde. Sie erleichtern den Alltag und ersparen teilweise den zeitintensiven Gang zum Arzt. Auch Ärzte müssen sich in diesem Kontext mit den verschiedensten Appangeboten auseinandersetzen, um Ihren Patienten eine bestmögliche und zeitgemäße Beratung zu bieten. Zukünftig ist davon auszugehen, dass medizinische Smartphone-Apps wichtige Helfer für Ärzte werden. So nutzten bereits 2017 circa 20 % der 18 bis 39-jährigen Gesundheitsapps (Quelle). Die Tendenz ist mit der zunehmenden Digitalisierung konstant steigend.

Medizinapps, Gesundheitsapps, Fitnessapps und Co.

Prinzipiell muss zwischen unterschiedlichen Applikationen aus dem Gesundheitssektor unterschieden werden. Einerseits gibt es typische Gesundheitsapps, die beispielsweise beim Abnehmen helfen, diverse Achtsamkeits- und Atemübungen bieten oder schlicht und ergreifend dabei helfen, einen gesunden Lebensstil zu wahren. Andererseits gibt es die beliebten Fitnessapps, in denen sich beispielsweise Läufer duellieren können oder in denen spannende Workouts vorgeführt werden. Bei allen diesen Apps ist in der Regel von keiner Gesundheitsgefahr auszugehen. Häufig handelt es sich um „Ratgeber-Apps“, die sich problemlos in den Alltag integrieren und entsprechend nutzen lassen. Etwa als Erinnerungsstütze und als Anleitung. Anders sieht das bei medizinischen Apps aus, die über den Ratgebercharakter hinausgehen. Hier ist seitens der Nutzer teilweise Vorsicht gefragt. Einige Applikationen geben nicht nur Rat, sondern sollen laut eigener Beschreibung den Arztbesuch als „Arzt in der Hosentasche“ ersetzen. Hier sei jedoch anzumerken, dass eine App und eine Ferndiagnose niemals den echten Arzt und die Vorort-Untersuchung samt Diagnose ersetzen können. Im Zweifelsfall und im Besonderen bei schwerwiegenden Symptomen ist ein Arztbesuch daher unumgänglich. Im Idealfall findet die Verwendung von Medizin-Apps nach Absprach und gemeinsam mit dem Arzt statt. In diesem Kontext ist es zwingend notwendig, dass sich Ärzte intensiv mit der Thematik auseinandersetzen. Nicht nur für die gemeinsame Nutzung, sondern auch als Empfehlungsgeber. Wussten Sie, dass bereits mehrfach Patienten panisch die Notaufnahme aufsuchten, weil der Pulstracker und Blutdruckmesser ein erschreckendes Ergebnis lieferte? Hier haben nicht nur die Apps versagt – die jeweiligen Patienten haben zusätzlich unnötig Ressourcen eingenommen. Durch eine fachlich-fundierte Beratung seitens des Hausarztes ließen sich solche Ereignisse eventuell vermeiden.

Medizinische Apps unterstützen den Arzt

Neben Diagnoseapps gibt es allerdings auch recht praktische Applikationen, die den Arzt sogar unterstützen. Die Rede ist unter anderem von Pulsmessern, Schlaftrackern oder Ernährungstagebüchern. Auch Medikamentenerinnerungen lassen sich mittels App steuern. Solche Alltagslösungen sind durchaus als flexibel nutzbare Helfer zu betrachten, die auch den Hausarzt signifikant unterstützen. Patienten, die sich über längere Zeit mit ihrer eigenen Gesundheit auseinandersetzen und zum Beispiel regelmäßig ihren Puls messen, können dem behandelnden Arzt konstante Fakten liefern, mit denen dieser weiterarbeitet. Für die Diagnostik und Untersuchung sind regelmäßige Pulsaufzeichnungen durchaus interessant und hilfreich, um bei diesem Beispiel zu bleiben. Diabetiker können mithilfe von speziellen medizinischen Apps ebenfalls Aufzeichnungen sammeln, die den Arzt bei der weiteren Behandlung unterstützen. Nicht zu vernachlässigen sind an dieser Stelle auch Applikationen, die den Nutzer bei der Bekämpfung einer Sucht unterstützen. So tummeln sich zahlreiche „Rauchstopp-Apps“, mit deren Hilfe der Absprung leichter fällt. Auch hier sind Tagebücher inkludiert, die dem Behandler präsentiert werden können. Anhand entsprechender Tagebücher – unabhängig von der Appwahl – können Ärzte unter Umständen Risikofaktoren und nicht zuletzt Ursachen für Erkrankungen finden.

Ärzte müssen sich intensiv mit Apps auseinandersetzen

Um Nachteile zu vermeiden, und von den Vorteilen der Medizinapps zu profitieren, müssen sich Ärzte regelmäßig mit den unterschiedlichen Angeboten auseinandersetzen. Prinzipiell empfehlen sich sogar spezielle Schulungen und Fortbildungen, die den Behandler über die Möglichkeiten informieren und an den Appmarkt heranführen. Hier sei zu erwähnen, dass nicht jede App wirklich als Unterstützung in Frage kommt. Appstores bieten nicht nur empfehlenswerte Lösungen. Darunter sind leider auch zahlreiche sinnlose Apps. Aufgrund der enormen Vielfalt ist es jedoch – vor allem für Laien – schier unmöglich, die besten Lösungen auszuwählen. Schulungen tragen in diesem Kontext dazu bei, dass es Ärzten leichter fällt, geeignete Angebote für ihre Patienten und für die eigene Arbeit auszuwählen.

Ärzte müssen sich der Digitalisierung anpassen

Zweifelsohne betrachten die meisten Ärzte medizinische Apps mit Skepsis. Das ist durchaus nachvollziehbar, schließlich ist nicht alles Gold was glänzt. Nichts desto trotz erleichtern professionelle Applikationen den Alltag in der Arztpraxis ungemein. Dank der verschiedenen Aufzeichnungen erlangen Ärzte schnell und effektiv einen Überblick über die Gesundheitssituation und die Gewohnheiten ihrer Patienten. Diagnosen sind dadurch schneller möglich. Für den Praxisalltag empfehlen sich in diesem Zusammenhang auch Terminapps, mit deren Hilfe sich das gesamte Terminmanagement steuern lässt. In diesem Zusammenhang erfolgte 2015 eine interessante Befragung. 20% der 5.046 Umfrageteilnehmer nutzten bereits zu diesem Zeitpunkt Apps für die Terminvereinbarung bei ihrem Arzt (Quelle). Mithilfe der praktischen Helfer für das Smartphone sparen Ärzte Zeit und gehen gleichzeitig auf die Bedürfnisse der Patienten ein. Eine Win-win-Situation.

Als Arzt in den Appmarkt einsteigen

Wenn nicht jetzt, wann dann? Es ist nur eine Frage der Zeit, bis medizinische Apps im Praxisalltag gang und gäbe werden. Umso früher sich Ärzte mit der Thematik befassen, desto rechtzeitiger können sie auf den Trend reagieren. Damit aber nicht genug: Auch für Ärzte bieten sich zahlreiche Vorteile. Wussten Sie, dass sich circa 50% aller Patienten nicht an die Therapievorgaben halten? Eine erschreckende Zahl. Die Gründe sind mannigfaltig. Viele Patienten finden eine verordnete Therapie jedoch zu aufwendig oder vergessen schlicht und ergreifend Medikamente einzunehmen, Protokoll zu führen oder ähnliches. Apps erleichtern und erinnern, sodass durchaus davon auszugehen ist, dass sich die Rate der Therapieerfolge signifikant steigern lässt. Das haben sogar die Krankenkassen erkannt. So ist bei einigen Apps eine Kostenübernahme seitens der Krankenversicherung möglich. Ferner sparen Ärzte selbst jede Menge Zeit durch den Einsatz von seriösen Medizin Apps. Optimal für das Zeitmanagement. Voraussetzung ist jedoch, dass es sich um professionelle Applikationen handelt. Diese lassen sich nur durch Fachwissen erkennen, welches Schulungen und Fortbildungen vermitteln.

Deshalb lautet meine heutige Whats Next Frage an alle Ärzte und Patienten:

Welche Erfahrungen haben Sie mit medizinischen Apps gemacht? Welche Apps haben für Sie einen wirklichen Nutzen gebracht und vor welchen Apps möchten Sie andere Leser bewahren?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung

Herzlichst

Ihr

Gerd Wirtz

www.facebook.com/Dr.Gerd.Wirtz

www.gerdwirtz.de

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