Die Vorzüge der Arztpraxis der Zukunft

Arztpraxis der Zukunft

Der Weg zum Hausarzt ist für Sie immer wieder wie der sprichwörtliche Gang nach Canossa? Ihnen graut vor stundenlangem Sitzen im Wartezimmer bei einem Facharzt und Sie vermeiden es daher, einen Termin bei einem Spezialisten zu vereinbaren? Dann sind Sie sicher bereit für die Arztpraxis der Zukunft. In diesem Szenario entfällt das lange Warten auf einen Termin und das mitunter nervenzehrende Ausharren im Wartebereich einer Praxis. Doch kann dies die Arztpraxis der Zukunft wirklich gewährleisten und was hat diese noch fern erscheinende Utopie noch zu bieten? In diesem Artikel gibt es Antworten auf diese und weitere Fragen.

Digitalisierung: Fluch oder Segen?

Die zunehmende Digitalisierung macht es immer einfacher, sich Informationen jedweder Art zu beschaffen. Dies gilt natürlich auch für gesundheitliche Antworten auf drängende Fragen, wenn es mal hier und da zwickt. Manch einer spricht sogar von „Doktor Google“, der auf Knopfdruck zu jedem Symptom passende Krankheiten liefert, die verantwortlich für die Pein sein können. Die Betonung liegt hierbei auf KÖNNEN, denn einen Arztbesuch ersetzt das digitale Gesundheitslexikon natürlich nicht. Dennoch können Ärzte immer häufiger beobachten, dass Patienten bereits mit einem mehr oder weniger soliden Gesundheitswissen die Praxis betreten und selbst die eine oder andere Self-made-Diagnose zu vermelden haben.

Nicht immer einfach für einen Mediziner, der sich sein Wissen in vielen Jahren Studium angeeignet hat – und nicht durch eine banale Symptomsuche via Google. Eine Herausforderung, mit der sich die Arztpraxis der Zukunft konfrontiert sieht, ist es also, dass Patienten immer mündiger werden und selbst Vorstellungen davon haben, wie ihre Therapie im Falle einer Krankheit aussehen könnte. Ärzte müssen Patienten also in ihre Entscheidung einbeziehen, um deren Erwartungen gerecht zu werden.

Zunehmende Digitalisierung
Zunehmende Digitalisierung

Demographischer Wandel als Herausforderung für Arztpraxen

Nicht nur die Früchte der Digitalisierung stellen Arztpraxen vor Herausforderungen; auch der demographische Wandel beschäftigt Gesundheitsexperten immer mehr. Es wird erwartet, dass sich bis zum Jahr 2030 bis zu 85 Prozent der ärztlichen Vollzeitkräfte in den Ruhestand verabschiedet haben. Vor allem in ländlichen Regionen wird diese Entwicklung zu einem Problem. Bereits heute wirbt so manche Gemeinde mit Kopfgeldprämien für Landärzte, mit denen man die ärztliche Versorgung in strukturschwachen Regionen sichern möchte. In Ballungsräumen und größeren Städten hingegen steht Patienten eine Vielzahl an ärztlichen Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Nichtsdestotrotz müssen auch Stadtbewohner durchaus Wochen oder sogar Monate warten, ehe sie einen Termin bei einem Facharzt erhalten.
Aus der aktuellen Sicht vieler Ärzte bringt die Situation volle Wartezimmer, niemals enden wollende Sprechzeiten und anstrengende Patienten mit sich – als Sahnehäubchen garniert mit Politik und Bürokratie, die immer mehr zur Belastung für das gesamte Praxispersonal wird. Besonders attraktiv sind die Aussichten für angehende Ärzte also nicht, die mit dem Gedanken spielen, als Hausarzt oder Facharzt in einer eigenen Praxis sesshaft zu werden.

Die Arztpraxis der Zukunft: So kann sie aussehen

Die genannten Herausforderungen bringen es mit sich, dass sich die Arztpraxen dem Wandel der Zeit unterwerfen müssen, damit Patienten und Ärzte selbst nicht auf der Strecke bleiben. In der Arztpraxis der Zukunft wird der Besuch des Patienten in der Praxis nur noch dann notwendig sein, wenn körperliche Untersuchungen oder komplexe Behandlungen und Eingriffe erforderlich sind. Ein direktes persönliches Gespräch mit dem Arzt wird dagegen nur noch in seltenen Fällen stattfinden, wobei der Austausch von Informationen zwischen Patient und Arzt laufend geschieht. Die Sprechstunden lassen sich dann auf dem heimischen Sofa durchführen. Möglich machen dies Videosprechstunden und das Internet der Dinge.

Natürlich kann eine virtuelle Praxis nicht dauerhaft vollständig einen ortsansässigen Hausarzt ersetzen. Bei manchen Erkrankungen ist ein Besuch vor Ort in der Praxis des Hausarztes unumgänglich. Die Sorge davor, dass es irgendwann keine Hausarztpraxen mehr geben wird, die Patienten offensteht, ist also unbegründet. Die Anzahl an wartenden Patienten in einer Hausarztpraxis wird sich aber durch das Online-Angebot deutlich reduzieren, was sowohl dem Praxispersonal als auch dem Arzt und nicht zuletzt natürlich auch den Patienten entgegenkommt. Klassische Wartezimmer, wie wir sie heute – häufig in einem überfüllten Zustand – kennen, werden wohl also nicht mehr notwendig sein.

Virtuelle Praxis
Virtuelle Praxis

Revolution in den Arztpraxen durch Videosprechstunden und das Internet der Dinge

Bereits heute lassen sich mehr als 90 Prozent sämtlicher hausärztlichen Fälle per Video-Sprechstunde vollständig behandeln, ohne dass für den Patienten ein physischer Besuch beim Arzt erforderlich ist. Vielleicht sind Sie über diese hohe Erfolgsquote zunächst erstaunt. Tatsächlich ist sie stark abhängig von der Behandlungsqualität sowie der eingesetzten Technologie. Mithilfe von hochauflösenden Video-Übertragungen ist es dem Arzt beispielsweise möglich, eine Wunde ganz genau zu inspizieren. Klassisch über das Telefon lässt sich dies natürlich nicht durchführen. Zwar kann der Arzt den Patienten nicht berühren, unter Anleitung des Mediziners kann der Patient sich jedoch selbst untersuchen. Mithilfe der neuen Technologien lassen sich auch Krankschreibungen und Rezepte online erstellen; auch eine Einweisung zum Spezialisten ist über eine App möglich, sodass ein Besuch in der Notfallstation oder in der Praxis vor Ort überflüssig ist. Auf diese Weise spart der Patient nicht nur Zeit, sondern die Arztpraxis wird personell entlastet, was am Ende ein kostensparende Faktor ist.

Virtuelle Krankenakten und mehr

Experten im Gesundheitsbereich gehen davon aus, dass Patienten in der Zukunft mit verschiedenen Sensoren ausgestattet sein werden, die kontinuierlich Gesundheitsdaten am Körper des Patienten erheben. Diese Daten können dann in Echtzeit in die virtuelle Krankenakte der Arztpraxis übertragen werden. Ein Beispiel: Steigt der Blutdruck des Patienten über einen gewissen Zeitraum zu stark an, erkennt dies die Software, die auf Künstlicher Intelligenz beruht, umgehend. Die Praxis kann dann in Windeseile Kontakt zum Patienten aufnehmen, um gemeinsam mit ihm die erforderlichen therapeutischen Maßnahmen in die Wege zu leiten. Ein solcher Austausch zwischen Patient und Arzt wird in der Arztpraxis der Zukunft laufend stattfinden. Die klassische Hausarztmedizin hat dank dem Internet der Dinge in Verbindung mit der Video-Sprechstunde sehr bald ausgedient – so jedenfalls sehen Gesundheitsexperten die nahe Zukunft.

Welche Rolle spielt das Internet der Dinge bei der Arztpraxis der Zukunft?

Sogenannte Wearables der ersten Generation waren einfache Schrittzähler. Später gesellten sich Fitness-Tracker und Lifestyle-Geräte hinzu. Moderne Geräte können mittlerweile validierte Vitaldaten erfassen und lassen sich somit von Ärzten für Diagnose und Therapie verwenden.
Solche Gadgets sind weit mehr als Spielereien, denn sie erlauben es dem behandelnden Arzt, diagnostische und therapeutische Interventionen durchzuführen – selbst über große Distanzen hinweg, denn schließlich werden die medizinisch relevanten Informationen direkt am Körper des Patienten erhoben, ganz gleich, wo auf dieser Welt er sich auch befindet.

Patienten mit chronischen Erkrankungen
Patienten mit chronischen Erkrankungen

Patienten mit chronischen Erkrankungen profitieren besonders von der Arztpraxis der Zukunft

Menschen, die unter chronischen Erkrankungen leiden, müssen in der Regel deutlich häufiger beim Arzt erscheinen als gesunde Personen. Patienten mit chronischen Erkrankungen profitieren daher besonders von der Arztpraxis der Zukunft. Leidet ein Patient beispielsweise an Asthma, kann er ein auf Künstlicher Intelligenz basiertes Stethoskop ganz nach Bedarf und ohne Anleitung des Arztes anwenden. Dieses virtuelle Stethoskop kann er mit dem Smartphone verbinden, das mithilfe einer App automatisch auffällige Atemgeräusche erkennt, beispielsweise, wenn sich Schleim auf den Bronchien gebildet haben sollte. Der Arzt erhält in diesem Fall eine Alarmmeldung und kann sich umgehend mit dem Patienten per Chat oder Video in Verbindung setzen und entsprechende therapeutische Maßnahmen in die Wege leiten.

Fazit: Wie Sie in diesem Artikel erfahren haben, erlaubt die moderne Technik bereits heute, regelmäßige Besuche beim Hausarzt vor Ort zu umgehen. Natürlich spielt es jedoch eine Rolle, inwieweit sich die Arztpraxen von heute den modernen technologischen Möglichkeiten öffnen und ihren Patienten digitale medizinische Leistungen anbieten. Es ist davon auszugehen, dass die Arztpraxis der Zukunft bereits in einigen Jahren nicht mehr die Zukunft, sondern die Gegenwart sein dürfte – zur Entlastung der Ärzte und zum Wohle und Komfort der Patienten.

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Quellen:

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