Worauf achten Patienten bei der Wahl ihres Arztes?

Wünsche von Patienten an Arztpraxen

Vielleicht kennen Sie es aus eigener Erfahrung, dass man in deutschen Wartezimmern mit langen Wartezeiten beim Arzt rechnen muss, auch wenn man zuvor einen Termin vereinbart hat. Ob nun eine halbe Stunde oder sogar mehr als eine ganze Stunde: Die Ungewissheit vor der bevorstehenden Diagnose und das unaufhörliche Husten des Sitznachbarn versüßt einem das lange Warten nicht unbedingt, sondern bereitet dem einen oder anderen Patienten durchaus mal Kopfschmerzen – sofern diese nicht ohnehin vorhanden sind.

Natürlich lassen sich Verzögerungen durch Notfälle oder andere Ereignisse, die eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, niemals komplett ausschließen. Umso wichtiger ist es jedoch, das Stresslevel der wartenden Patienten so gering wie möglich zu halten und den Puls während der Wartezeit nicht unnötig in die Höhe zu treiben. Auch dies wirkt sich letztlich positiv auf die Gesundheit der Patienten aus und erhöht deren Zufriedenheit. In der Folge wird die Praxis des Arztes weiterempfohlen, der sich über einen kontinuierlichen Patientenstrom freuen darf.

Doch worauf achten Patienten bei der Wahl des Arztes eigentlich, was ist ihnen besonders wichtig und wie sieht eine patientenfreundliche und moderne Praxis aus? Welche Rolle spielt das Thema Digitalisierung für den Patienten von Heute? Antworten auf diese Fragen gibt es in diesem Artikel.

Was ist den Patienten von Heute in einer Arztpraxis wichtig?

Patienten verstehen sich immer mehr als Kunden. Und Kunden wünschen sich gute Dienstleistungen. Die Aufgabe des Arztes in der Zukunft ist es, seinen Patienten (Kunden) eine gute Dienstleistung mit verschiedenen Leistungen anzubieten, um bestens gerüstet für die Zukunft zu sein. Schließlich sind zufriedene Kunden gute Kunden und werden durch Mund-zu-Mund-Propaganda für weitere neue Kunden sorgen – und sicher ist hier auch der eine oder andere Privatpatient dabei.

Hilfsbereites und freundliches Praxispersonal als Aushängeschild des Arztes

Zuvorkommender Service sowie nettes Personal sind auch für eine Arztpraxis sehr wichtig, wie in nahezu jeder Dienstleistungsbranche. Wenn das Empfangspersonal gehetzt wirkt und unhöfliche Auskünfte gibt, wird dies ein schlechtes Licht auf die gesamte Praxis werfen. Daher ist es wichtig, die Mitarbeiter auch im Umgang mit schwierigen und ungeduldigen Patienten zu schulen, sodass diese stets respektvoll und freundlich auftreten. Dies hat seinen Anfang bereits bei der persönlichen Anrede mit Namen und erstreckt sich zum Beispiel auch über die Hilfe beim Ausfüllen von Formularen.

Unnötige Wartezeiten vermeiden führt zu hoher Patientenzufriedenheit

Ein besonders beliebter Service ist zudem das Angebot über Terminänderungen oder Wartezeiten rechtzeitig informiert zu werden. Auf diese Weise müssen Patienten ihre Zeit nicht im Wartezimmer verbringen und können währenddessen anderen Verpflichtungen nachgehen. Zusätzlich zeugt ein Wartebereich, der nicht hoffnungslos überfüllt ist, von einem guten Praxismanagement, was wiederum einen guten Eindruck der ganzen Praxis nach sich zieht.

Unnötige Wartezeiten vermeiden
Unnötige Wartezeiten vermeiden

Ein persönlicher Kontakt ist für den Patienten wichtig

Ein freundlicher, höflicher und persönlicher Kontakt ist zudem ein wichtiger Faktor dafür, dass sich der Patient nicht nur als Nummer, sondern in seiner Rolle als Patient bzw. Kunde auch als Mensch wahrgenommen fühlt. Dies ist in der heutigen individualistischen Zeit ein wesentliches Merkmal, mit denen sich eine Arztpraxis positiv von anderen Praxen abheben kann.

Wohlfühlatmosphäre im Wartezimmer schaffen

Insbesondere Patienten, die häufig Arztbesuche auf sich nehmen müssen, freuen sich über eine durchdachte Einrichtung und eine angenehme Atmosphäre im Wartezimmer, da sie dort immer wieder eine gewisse Zeit verbringen. Selbstverständlich lassen sich aber auch sämtliche anderen Patienten von einem schönen Ambiente im Wartezimmer sowie einer ansprechenden Praxisgestaltung positiv beeinflussen.

Das Wartezimmer sollte einladend und durchdacht sein

Die Gestaltung eines Wartezimmers beginnt bereits bei einer sinnvollen Raumaufteilung und schließt eine patientenfreundliche Einrichtung ein. Ein banales Beispiel ist eine Garderobe, die vermeidet, dass Patienten ihre Jacken und Mäntel mit sich herumtragen oder im Wartebereich neben sich ablegen müssen und dadurch eventuell weitere Sitzplätze besetzen. Außerdem sollten in der Praxis ausreichend ergonomische Sitzmöglichkeiten vorhanden sein, die den Gesundheitszustand einzelner Patienten nicht unnötig belasten.

Weiße, rote oder blaue Wände?

Auch die Wahl der richtigen Farbe ist ein relevanter Bestandteil bei der Gestaltung einer Arztpraxis. Die Wahl der Farbe kann große psychologische Auswirkungen haben. Eine blaue Farbe beispielsweise hat eine beruhigende Wirkung und reduziert die Herzfrequenz. Rote Farbe hingegen regt einerseits den Stoffwechsel an, verstärkt andererseits aber auch die Anspannung und Aufregung. Nach wie vor die beliebteste Farbe in deutschen Wartezimmern ist aber Weiß, da sie als Zeichen für Sauberkeit gilt – und Sauberkeit ist deutschen Patienten sehr wichtig. Darauf gehen wir in einem der nächsten Abschnitte noch genauer ein.

Etwas Grünes darf es sein

Pflanzen sind Raumelemente, die in keiner Arztpraxis fehlen sollten. Pflanzen wie etwa Palmen oder Orchideen können stark zum Wohlfühlfaktor der Patienten beitragen, weil sie nicht nur optische Reize setzen, sondern auch positive Einflüsse auf die Psyche mit sich bringen. Blumen sowie andere Begrünungen bewirken beim Menschen eine entspannende Wirkung und reduzieren Stress und Nervosität.

Das richtige Lichtkonzept

Auch ein stimmiges Lichtkonzept in der Arztpraxis hat Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Patienten. Abhängig von der Farbe und Intensität des Lichts lassen sich Menschen sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Wir Menschen empfinden warm-weißes Licht am angenehmsten, da es nicht künstlich wirkt und Gesichter freundlich erscheinen lässt.

Sauberkeit im Wartezimmer
Sauberkeit im Wartezimmer

Sauberkeit in der Arztpraxis ist für Patienten das A und O

Wie eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung ergab, finden 90 Prozent der Patienten Hygiene in einer Arztpraxis sehr wichtig. Auch wenn Pflanzen und schöne Einrichtungselemente vorhanden sind und für angenehme Lichtverhältnisse gesorgt wurde, ist sämtliche Wohlgefühlatmosphäre hinfällig, wenn in der Praxis ein Mangel an Sauberkeit und Hygiene besteht. Wartezimmer sind für gewöhnlich der Treffpunkt vieler Viren und Bakterien, daher sollten gewisse Vorkehrungen und Maßnahmen getroffen werden, um das Ansteckungsrisiko für die Patienten so gering wie möglich zu halten.

Selbstverständlich sein sollte eine mehrmals täglich durchgeführte Desinfektion und Reinigung der Räumlichkeiten. Zusätzlich ist es sinnvoll, Möbel aus Kunststoff zu wählen, die sich leicht reinigen lassen und damit keinen Herd für Krankheitserreger verschiedener Art darstellen. Sollte eine Kinderecke Teil der Praxis sein, dann ist es ratsam, auf Spielzeuge aus Plüsch oder Stoff zu verzichten.

Natürlich haben viele Patienten selbst Interesse an hohen Hygienestandards; daher sollte die Möglichkeit bestehen, die Hände durch Desinfektionsmittelspender zu reinigen. Am Waschbecken im Patienten-WC können Schilder mit Erklärungen an das richtige Händewaschen erinnern.

Kinderecke, Spielzeuge und Zeitungen gegen Langeweile

Wenn‘s mal wieder länger dauert im Wartezimmer und die Devise „Warten bis der Arzt kommt“ gilt, kann man mit unterschiedlichen Ablenkungen für eine möglichst angenehme Wartezeit der Patienten sorgen. Vor allem Kinder werden schnell unruhig, sodass eine Kinderecke für die Kleinen selbst als auch für die begleitenden Eltern sehr wertvoll sein kann. Hierbei sollte die Praxis über ausreichend gut gepflegtes Spielzeug verfügen, das stets gereinigt wird, um die Übertragung von Krankheiten vorzubeugen und die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Natürlich ist Warten auch für Erwachsene unangenehm, sodass jeder Patient dankbar für unterschiedliche Möglichkeiten der Unterhaltung und Beschäftigung ist. Dies beginnt bei Zeitschriften verschiedener Themenbereiche und endet bei Flachbildschirmen, auf denen Infos zur Praxis und zu den Untersuchungsangeboten zu sehen sind.

Patienten wünschen sich mehr Möglichkeiten, Angebote von Ärzten im Internet zu vergleichen

Eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung hat ergeben, dass sich 86 Prozent der Befragten mehr werbefreie und neutrale Portale für die Arztsuche im Netz wünschen. Daten über die Leistungsspektren, die Ausstattung der Praxen sowie die Erfahrungen der Ärzte sind grundsätzlich vorhanden, da sie von der Kassenärztlichen Vereinigung erhoben werden. Jedoch gelangen diese Daten in Deutschland nicht an die Öffentlichkeit. Anders ist dies beispielsweise in den USA oder Großbritannien. In diesen Ländern ist es Patienten möglich, sich ohne jegliche Zugangsbeschränkungen darüber zu informieren, welche Leistungen ein bestimmter Arzt in welcher Qualität anbietet.

Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen
Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen

Wie viel Digitalisierung soll es sein?

Nachholbedarf sehen 83 Prozent der Patienten in Sachen Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen. Dies ergab eine repräsentative Online-Befragung, die von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank durchgeführt wurde.

Die Befragung ergab, dass es beim Thema Digitalisierung im Gesundheitsmarkt noch viel Luft nach oben gibt, zumindest aus Sicht der Patienten. Für mehr als die Hälfte der Befragten geht Digitalisierung mit einem vereinfachten Zugang zur pharmazeutischen und ärztlichen Versorgung einher. Entsprechend wünschen sich die Teilnehmer an der Befragung insbesondere gut funktionierende Basisanwendungen, mit denen sich die Kommunikation mit Ärzten und Apothekern vereinfachen lässt. 59 Prozent der Befragten wünschen sich vor allem die Möglichkeit, online Termine zu vereinbaren, 32 Prozent der Teilnehmer an der Befragung einen Austausch mit Apothekern und Ärzten per Mail. Für 27 Prozent ist eine Telefonsprechstunde wichtig, während eine Online-Sprechstunde von 26 Prozent der Teilnehmer gewünscht ist.

Die deutliche Mehrheit von 60 Prozent der Befragten kann es sich gut vorstellen, mit ihrem Arzt auf digitalen Wegen zu kommunizieren. Bevorzugt wird hierbei vor allem das Telefongespräch, während an zweiter Stelle der Video-Chat rangiert. Auch die Kommunikation per E-Mail oder einem Text-Chat, beispielsweise per Messenger, wird in diesem Zusammenhang von Patienten genannt.

Für die Mehrheit bedeutet das Thema Datensicherheit in diesem Zusammenhang kein Hindernis. Über 60 Prozent zeigen eine hohe bis sehr hohe Bereitschaft, ihre gesundheitlichen Daten für eine elektronische Gesundheitsakte an Ärzte und Apotheker weiterzugeben.

Die Möglichkeiten des Internets als wichtige Instrumente bei der Arztwahl

Wenn es um die eigene Gesundheit geht, nutzen Patienten bereits fleißig die Möglichkeiten des Internets. 72 Prozent der befragten Patienten gaben an, dass sie online nach Behandlungsmöglichkeiten sowie Symptomen recherchieren. Knapp mehr als die Hälfte ist im Internet auf der Suche nach Gesundheitstipps, während sich ein Fünftel online auf einen Arztbesuch vorbereitet. Ersetzen kann das Internet einen Besuch beim Arzt aber nicht, was lediglich sechs Prozent der Befragten anders sehen.

Als Unterstützung bei der Wahl des richtigen Arztes wird das Internet von jedem dritten Befragten genutzt. Die jüngere Generation zieht häufiger die Webseite einer Praxis oder Online-Bewertungsportale als Hilfe für die finale Arzt-Entscheidung heran. Eine beliebte Option für die Arztwahl bleibt für 73 Prozent der Befragten aber nach wie vor die Empfehlung durch Familienangehörige oder Freunde.

Fazit: Wie bereits angesprochen, sollten sich Ärzte in der Zukunft immer mehr als Dienstleister verstehen, die ihren Patienten (Kunden) neben der rein medizinischen Unterstützung bzw. Hilfe weitere Leistungen bieten sollten. Der moderne Patient achtet immer mehr darauf, was ein Arzt in seiner Praxis anbietet, wie er aufgestellt ist und wie es um die Bewertungen durch andere Patienten bestellt ist. Eine ansprechende Homepage ist hierbei nicht nur die Grundlage für viele Digitalisierungsmaßnahmen, sondern eine aussagekräftige Visitenkarte und letztlich positive Werbung für die Arztpraxis.

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Quellen:

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