Digitale Medizin: Viele Fortschritte, aber die Frage nach der Ethik drängt sich auf

Elektronische Krankenakten, Messungen von Gesundheitsdaten mithilfe von Apps, Video-Sprechstunden und die Kommunikation zwischen Krankenhaus und Ärzten mithilfe einer Plattform – all dies sind nur einige Beispiele für digitale Technologien im Gesundheitswesen. Technologien, die aktuell frischen Wind in die Gesundheitswirtschaft in Deutschland bringen.

Grundlage der Digitalisierung sind medizinische Daten des Patienten. Diese werden mittels moderner Kommunikations- und Informationstechnologien zwischen Ärzten und Patienten, jedoch ebenso zwischen den unterschiedlichen Leistungserbringern, ausgetauscht. Mit der Digitalisierung werden neue Möglichkeiten der Diagnose und Behandlung geschaffen. Digitale Medizin kann die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Akteuren im Gesundheitswesen erleichtern und erlaubt es auch dem Patienten, die eigene Gesundheit stärker zu steuern, beispielsweise durch Informationen im Internet sowie durch Apps.

Ethik in der digitalen Medizin auf der Strecke
Ethik in der digitalen Medizin auf der Strecke

Bleibt die Ethik in der digitalen Medizin auf der Strecke?

All diese vermeintlichen Fortschritte, die offensichtlich dem Wohle des Patienten dienen, werfen aber auch verschiedene Fragen auf. Eine dieser Fragen ist sicherlich, ob und wann die Ethik in der digitalen Medizin auf der Strecke bleibt. Steht wirklich noch der Patient als Mensch im Fokus der Medizin oder ist er früher oder später nur noch ein „Behandlungsobjekt“? Wie menschlich kann und darf digitale Medizin sein, um den Patienten als Subjekt nicht aus den Augen zu verlieren? All dies sind Fragen, die man sich im Kontext mit digitaler Medizin im Allgemeinen und dem „Smart Hospital“ im Speziellen stellen muss.

Das Smart Hospital als Krankenhaus der Zukunft?

Sicherlich werden Krankenhäuser in der Zukunft anders aussehen, als wir es heute gewohnt sind. Aufgrund verschiedener Faktoren, beispielsweise der demographischen und wirtschaftlichen Veränderung in der Gesellschaft, ist der Schritt zum Smart Hospital, auch als „intelligentes Krankenhaus“ bezeichnet, unvermeidbar. In diesen intelligenten Krankenhäusern kommen beispielsweise Künstliche Intelligenz, ferngesteuerte oder vernetzte Roboter, digitale Patientenakten oder 3D-Drucker für Implantate zum Einsatz. Doch gibt es dabei eigentlich Grenzen und wo befinden sich diese? Letztendlich soll natürlich der Patient, also der Menschen, im Fokus stehen. Darüber hinaus ist es aber auch erforderlich, die Sicherheit in intelligenten Krankenhäusern nicht aus den Augen zu verlieren und auf verlässliche Systeme zu setzen, denn immerhin geht es um Menschenleben.

Smart Hospital
Smart Hospital

Was kann ein Smart Hospital leisten?

Das Ziel der verschiedenen digitalisierten Prozesse sowie der neuen Technologien im Smart Hospital ist es, Patienten auf den Stationen besser zu versorgen sowie das Pflegepersonal zu entlasten. Dies betrifft vor allem fachfremde Tätigkeiten, beispielsweise durch die Delegation solcher Tätigkeiten an das Servicepersonal. Hiermit erhoffen sich Krankenhäuser vor allem zwei Dinge:

  1. eine effektivere Arbeitsweise,
  2. finanzielle Einsparungen in Millionenhöhe.

Im folgenden Abschnitt geht es um einen Blick in die Zukunft und Lösungen sowie Möglichkeiten, mit denen neue Technologien ein Krankenhaus zu einem Smart Hospital werden lassen.

Wie kann die Zukunft des vernetzten Krankenhauses aussehen?

Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz

Wie kann die Künstliche Intelligenz Ärzte entlasten und auch Patienten Vorteile bringen?

Ein wesentlicher Baustein für ein Smart Hospital ist sicherlich die Anwendung von Künstlicher Intelligenz in medizinischen Bereichen. Künstliche Intelligenz kommt heute schon in einigen Bereichen zur Anwendung, wie etwa bei Verkehr, Bildung oder Sicherheit. Komplexe Algorithmen haben aber natürlich auch in der Medizin ihre Existenzberechtigung. So soll Künstliche Intelligenz für eine bessere Behandlung von Patienten während Operationen sowie ein schnelleres Analysieren von Patientendaten sorgen. Ärzte sollen vor allem bei ermüdender Arbeit durch Künstliche Intelligenz entlastet werden. So lassen sich beispielsweise radiologische Bilder von Patienten durch Algorithmen prüfen und analysieren. Bei der automatisierten Analyse soll die Künstliche Intelligenz Muster erkennen und den Ärzten anschließend Schlussfolgerungen vorschlagen. Zu diesem Zweck wird die Künstliche Intelligenz mit gespeicherten Bildern gefüttert und ordnet diese in einer großen Datenbank ein. In der Folge kann sie durch die gespeicherten Bilder Zusammenhänge und Muster erkennen und lernen. Vor allem die sehr schwierige Interpretation von 3D-Bildern lässt sich durch Algorithmen deutlich vereinfachen.

Welchen Nutzen können Roboter im Smart Hospital bringen?

Natürlich sind Roboter Menschen in so manchen Dingen voraus. So werden sie nie krank oder müde und verrichten jede Arbeit ohne Murren. Im Bereich von Krankenhäusern können sie verschiedene Tätigkeiten von Pflegern und Ärzten übernehmen und das Personal damit entlasten. Bisher sollen Roboter tatsächlich lediglich Tätigkeiten des Pflegepersonals übernehmen, damit Pflegern und Ärzten mehr Zeit am Patienten bleibt.

Im besten Fall entlasten Roboter das Pflegepersonal und übernehmen unterschiedliche Serviceaufgaben. Dies kann beispielsweise sein, Zeitschriften oder Getränke zum Patienten zu bringen und anschließend gleich schmutzige Wäsche zu entsorgen. Der Einsatz von Robotern im Gesundheitswesen soll einen verbesserten Umgang mit Patienten und Lösungen für Personalengpässe schaffen. Wenn das Personal entlastet wird, so hoffen viele Krankenhausleitungen, dann bleibt mehr Zeit für die Arbeit am Patienten.

Einsatz von Robotern im Gesundheitswesen
Einsatz von Robotern im Gesundheitswesen

All dies mag sich zunächst einmal durchweg positiv anhören, Kritik ist beim Einsatz von Robotern im Krankenhaus- oder Pflegeheimbereich aber dennoch sicherlich angebracht. So gibt es auch bei Robotern im medizinischen Bereich bestimmte Entwicklungen, die aus ethischen Gründen durchaus Anlass zur Sorge geben. So werden in Japan bereits seit vielen Jahren sogenannte Kuschel-Roboter eingesetzt, die Zeit mit den Patienten verbringen und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Damit soll das Personal entlastet werden. Doch ist es wirklich wünschenswert, wenn sich Patienten fortan vermehrt mit Robotern unterhalten und von diesen – statt anderen Menschen – Aufmerksamkeit und Zuwendung erhalten? Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Entwicklung auch in Deutschland beobachten lassen wird.

Fazit: Auch wenn die Digitalisierung im Gesundheitswesen immer weiter voranschreitet, muss der Mensch im Fokus bleiben. Die Patienten stehen neben Ärzten und Pflegern in den Krankenhäusern im Mittelpunkt. Es bleibt zu hoffen, dass sich dies auch in intelligenten Krankenhäusern nicht ändern wird. Unabhängig davon können die Errungenschaften der Digitalisierung im medizinischen Bereich natürlich zu einer schnellen und erfolgreichen Heilung der Patienten beitragen. Roboter im Krankenhaus können zusätzlich die Zufriedenheit der Patienten bei ihrem Aufenthalt steigern. Grundsätzlich ist es wichtig, sich immer wieder ethischen Fragen zu stellen, wenn es um weitere Fortschritte im Bereich der digitalen Medizin geht, um das Wohl des Patienten nicht aus den Augen zu verlieren und ihn weiterhin als Mensch und nicht als zu behandelndes Objekt zu sehen.

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Quellen:

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